Inhalt
Patrick Döring - Ein Portrait
Patrick Döring, FDP-Bundestagsabgeordneter aus Hannover, hat eine Sache mit vielen anderen Hannoveranern gemeinsam: Er kommt nicht von hier. Geboren und aufgewachsen ist er in Himmelpforten, einem Örtchen nahe Stade, das genauso idyllisch ist wie sein Name. Von Himmelpforten nach Hannover, aus dem Alten Land bei Hamburg in die niedersächsische Landeshauptstadt - dass es so kommen würde, war für Patrick Döring nicht von vornherein klar.
Hannover, das war für Döring vor allem lange Zeit der Ort, an dem der
zukünftige Abgeordnete erste Schritte auf dem politischen Parkett machte. Nach
seinem Eintritt bei den Jungen Liberalen (JuLis) wurde Döring schnell Mitglied
des Landesvorstandes und später stellvertretender Bundesvorsitzender der JuLis.
Mit Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler verbindet ihn seit diesen
gemeinsamen politischen Anfängen eine enge Freundschaft. Beinahe zeitgleich
begann er das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität
Hannover, das er 1997 mit dem Diplom abschloss.
Hannover war für den Studenten und Jungpolitiker damals vor allem mit vielen
politischen Sitzungen, Vorlesungen und Seminaren - und langen gemeinsamen
Abenden mit Kommilitonen und Gleichgesinnten in hannöverschen Kneipen
verbunden.
"Ich habe in Hannover schnell gemerkt, dass der erste Eindruck in dieser Stadt
leicht in die Irre führt", sagt Döring heute. "Als Ortsfremder war man ja
schnell etwas erschreckt - der Kröpcke und der Aegidientorplatz sowie weite
Teile der Innenstadt machten ja einen eher etwas unfreundlichen Eindruck.
Damals brauchte es, weit mehr als heute, einen zweiten und dritten Blick, um
die Reize der Stadt zu erkennen. Mich hat aber früh beeindruckt, wie hoch der
Naherholungswert der Stadt mit Eilenriede, Herrenhäuser Gärten und Maschsee
ist."
Trotz der wachsenden Zuneigung für Hannover blieb für Döring jedoch lange
sein altes Zuhause die eigentliche Heimat. "Eine Wohnung macht noch keine
Heimat", sagt Döring. "Man muss Wurzeln schlagen." Und das braucht Zeit. Vor
einiger Zeit hat der Liberale für ein dickes Buch zu liberalen Werten einen
Aufsatz über das Thema Heimat geschrieben. Heimat, schreibt Döring da, ist für
ihn der Ort, den man sich "aktiv angeeignet" hat, dem man sich als zugehörig
empfindet und an dem das eigene Leben sich erfüllen kann und erfüllen
soll.
Patrick Döring mit Dr. Guido Wetserwelle beim Niedersachsenabend (Bundesparteitag der FDP 2009 in Hannover)Patrick Döring mit Dr. Guido Wetserwelle beim Niedersachsenabend (Bundesparteitag der FDP 2009 in Hannover)Für ihn ist das nicht
banal: Heimat, so sagt er, ist der Ort, an dem wir gemeinsam mit anderen an der
Gestaltung unserer Lebenswelt wirken können. "In unserer Heimat erleben wir
unsere eigene Freiheit", sagt Döring - und zitiert die Philosophin (und
gebürtige Hannoveranerin) Hannah Arendt:
"Solange man handelt, ist man frei, nicht vorher und nicht nachher, weil
Handeln und Freisein ein und dasselbe sind."
Die Besten: "Was sind die drei ersten Begriffe, die Ihnen zu Hannover
einfallen?"
Patrick Döring: "Eilenriede, Schützenfest, 96."
Heimat ist Hannover für Patrick Döring deshalb vor allem, weil er sich der
Stadt durch viele gemeinsame Erfahrungen zutiefst verbunden fühlt. "Ich liebe
die Eilenriede, das Schützenfest, die Herrenhäuser Gärten - aber daheim fühle
ich mich hier wegen der Menschen. Durch die Arbeit in meinem Unternehmen, durch
die langjährige Arbeit im Stadtrat ist Hannover auch ein klein wenig zu 'meiner
Stadt' geworden. Vor allem aber habe ich hier meine engen und engsten Freunde
und meine eigene Familie. Das ist für mich Zuhause, das ist Heimat."
Daran hat sich auch nichts geändert, seitdem Döring für die FDP 2005 in den
Deutschen Bundestag eingezogen ist. Nach der Wahl in diesem Jahr ist er in der
Bundestagsfraktion für die gesamte Verkehrspolitik zuständig und entscheidet
mit über Milliardeninvestitionen in ganz Deutschland. Und in der immer
brodelnden Berliner Gerüchteküche heißt es immer wieder, Döring könne mit
Sicherheit noch mehr werden. Die Arbeit im Bundestag bringt es aber mit sich,
dass der Abgeordnete in manchen Monaten öfter in der Hauptstadt "auf Montage"
ist als Daheim.
Etwa zwanzig so genannte Sitzungswochen im Jahr gibt es - und daneben hat
Döring als Politiker noch zahlreiche Termine überall im Land.
"Klar wäre man gerne öfter Zuhause. Aber ich habe eine spannende Tätigkeit und Aufgabe, die es mit sich bringt, dass man viel unterwegs ist und dadurch Deutschland kennen lernt. Und gerade die Verwurzelung in der Heimat gibt mir auch den Halt, den man für so eine Arbeit braucht. Ich glaube, ohne eine solche Rückbindung würde man sich ganz schnell selbst verlieren."
Da spart er nicht mit
Kritik an der rot-grünen Ratsmehrheit, etwa wenn es um die seiner Meinung nach
nutzlosen und unsozialen Fahrverbotszonen in der Stadt empört.
"In meinen Augen ist es ein Skandal, dass die Stadt damit gerade denjenigen die
Zufahrt ins Stadtzentrum verbietet, die sich kein neues Auto leisten können",
schimpft er. Auch bemängelt er, dass zu wenig getan wird, um die einzelnen
Stadtteile aufzuwerten und das Leben dort für Menschen aller Generationen
attraktiver zu machen.
"Da verpasst Hannover derzeit einen Trend: Immer mehr Menschen, vor allem auch
Familien, möchten gerne im Zentrum oder doch zumindest sehr zentral leben. Die
Zeit, da alle junge Menschen mit Geburt eines Kindes vom Einfamilienhaus in der
Vorstadt träumten, sind vorbei. Und für die Stadt wäre das eine echte
Chance."
Die Besten: "Was sind ihre Lieblingsorte in Hannover?"
Patrick Döring: "Mein Zuhause im Zooviertel, der Maschsee, Herrenhausen."
Bei aller Kritik - "besser geht immer", sagt Döring - ist er aber auch stolz,
was Hannover in den letzten Jahren aus sich gemacht hat. Beim Thema Kunst und
Kultur lobt er, der selbst ein großer Jazz-Fan ist und gerne den Jazz-Club am
Lindener Berge besucht, die in der Stadt vorhandene Vielfalt. "Die Mischung
stimmt nach wie vor - und die Möglichkeiten zwischen Kleinkunst im Stadtteil
und großer Bühne sind für die Szene aus meiner Sicht nahezu ideal." Auch für
die Entwicklung der Innenstadt, vor allem für die viel bessere Präsentation von
Handel und Gewerbe, hat er viel Lob übrig:
"Das Stadtbild ist seit der Expo deutlich besser geworden. Und wenn wir jetzt
bei größeren Projekten noch mehr Kreativität zulassen, bin ich sehr
zuversichtlich, dass wir in den nächsten Jahren da noch viel weiter kommen,"
findet der kritische Liberale.
Ein wenig Stolz erzählt er vom großen Bundesparteitag der FDP in Hannover im
Mai 2009. "Da haben viele Parteifreunde kräftig gestaunt über diese tolle
Stadt. Und bei unserem Fest im Herrenhäuser Schloss und bei dem großartigen
Feuerwerkswettbewerb in den Gärten sind manchen die Augen aus dem Kopf
gefallen. Da habe ich oft gehört: 'Mensch, das ist ja doch eine tolle
Stadt'."
Aber auch beim Thema
Innenstadt gilt für Döring "besser geht immer". Den aktuellen
Diskussionsprozess "Hannover City 2020" hält er deshalb für einen guten Ansatz,
um die Entwicklung Hannovers weiter voranzutreiben.
"Wir müssen unsere Stadt gemeinsam voranbringen. Ich halte nichts davon, wenn
in der Kommune immer nur die Politik sagt, wo es lang gehen soll. Die
Bürgerinnen und Bürger, wir müssen uns da auch einbringen können. Denn hier
geht es wie nirgends sonst darum, unsere gemeinsame Heimat zu gestalten. Eine
intensive Bürgerbeteiligung bringt nicht nur gute, kreative Ergebnisse -
sondern schafft auch Akzeptanz."
Man kann sicher sein, dass Döring als Bürger und Liberaler sich bei diesen und
bei anderen Diskussionen mit viel Herzblut und Engagement einbringen wird: "Ich
liebe mein Hannover und will es noch besser machen. Dafür engagiere ich mich
hier in der Stadt - und dafür arbeite ich auch in Berlin."
DIE BESTEN bedanken sich für das Gespräch und freuen sich auf ein
Wiedersehen.
Erschienen in: DIE BESTEN, Vol. 8, Winter 2009.
